Euro-Schwäche: Grossverteiler reagieren

Monday, 15. August 2011, 14:36 Uhr

Markenartikel

Der tiefe Euro und die Frage, warum die Preise für Importprodukte nicht deutlich sinken, beschäftigt derzeit nicht nur Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch die Grossverteiler.

Wieso zahlen wir in der Schweiz teilweise doppelt so hohe Preise für identische Produkte im Vergleich zur Eurozone und wer profitiert von der gestiegenen Marge?

Wie erstmals Coop und nun auch Migros mitteilen, liegt das Problem insbesondere bei den Markenartikel-Herstellern selbst, die die Wechselkursvorteile nicht oder nur ungenügend weitergeben.

In ersten Stellungnahmen zeigen sich die betroffenen Markenartikel-Hersteller überrascht oder wollten zu den laufenden Verhandlungen keine Stellung nehmen.

Weko schaltet sich ein
Mittlerweile hat sich auch die Wettbewerbskommission (Weko) eingeschaltet bei Migros und Coop die Offenlegung ihrer Einkaufskonditionen  nachgefragt. Nur so könne gegen die Lieferanten wirksam vorgegangen werden. Verschiedene Stimmen verweisen in diesem Zusammenhang auf die im europäischen Durchschnitt hohen Margen der Schweizer Grossverteiler – der Ausgang eines allfälligen Verfahrens ist also völlig offen.

Update: Auch der Bundesrat wird sich am Mittwoch mit der Frage beschäftigen und prüfen, ob gesetzliche Anpassungen insbesondere im Bereich des Kartellrechts notwendig seien.

Ungeachtet dessen gehen die Grossverteiler in die Offensive. aktionis.ch informiert an dieser Stelle laufend über die aktuellen Entwicklungen bei den einzelnen Anbietern:

Coop (Update vom Donnerstag, 18. August)
Coop macht seit Monaten Druck auf die Lieferanten, um Wechselkursgewinne weiterzugeben – zumeist erfolglos.
Um den Druck zu erhöhen, nimmt Coop deshalb ab sofort erste Markenartikel aus dem Sortiment und verkauft Restbestände mit 50% Rabatt. Zu den betroffenen Produkten gehören: Uncle Ben’s-Sortiment, Kinder Milchschnitte und Kinder Pingui, sowie das L’Oréal StudioLine-Sortiment.

Update: Wie Coop heute Donnerstag mitteilt, werden ab Samstag, 20. August die Preise auf 700 Markenartikel um 10-20% gesenkt. Uncle Ben’s-Produkte kehren eben falls ab Samstag ins Sortiment zurück – allerdings zu 10% tieferen Preisen. Coop führt diesen Verhandlungserfolg auf die Auslistungsaktion vom vergangenen Sonntag zurück.

Migros (Update vom Dienstag-Abend, 16. August)
Preissenkungen auf importierte Güter seit mehreren Monaten. Im Nachgang zu dem Verkaufsstopp bei Coop hat Migros mit verschiedenen Anbietern nachverhandelt. Ab Montag, 22. August werden rund 500 Produkte zwischen 10 und 20% günstiger:

10% günstiger: Nivea, Ferrero (Kinder, Nutella, etc.), Axe, San Pellegrino, Nestlé Baby, Braun
15% günstiger: Studio Line, Matzinger, Vita Balance
20% günstiger: Calgon

Auf ein Verkaufsstopp gewisser Produkte wird bei Migros im Moment verzichtet.

 

Denner
Seit 12. August Preissenkung auf rund 50 Markenartikeln in den Bereich Kosmetik und Hygiene, Getränke, Bier, Wein, Süsswaren sowie Cerealien.
In den nächsten Wochen würden kontinuierlich weitere Produkte folgen.

SPAR
Preissenkungen insbesondere bei den Eigenmarken, die SPAR direkt im Euroraum ohne Zwischenhändler bezieht. Damit will SPAR ein Zeichen setzen gegenüber “den Importeuren von Markenartikeln, die nicht auf den tiefen Euro-Kurs reagieren und entsprechend abkassieren”.

Lidl und Aldi
Aldi-Schweiz-Sprecher Sven Bramke: ”Wir führen fast ausschliesslich Eigenmarken. Eine Diskussion über die Vergünstigung von bestimmten Markenartikeln berührt uns deshalb nur am Rande”.
Sowohl Aldi wie auch Lidl führen bereits seit Monaten Preissenkungen über das ganze Sortiment durch.

3 Kommentare:

  1. Karin Schmid

    Eigenmarken sind sowieso meistens preisgünstiger und häufig ist genau das gleiche drin!

  2. Hannes Estermann

    Im Kampf zwischen den Lieferanten und Endverkäufer kommt mir ein
    Satz aus der Kindheit in den Sinn,und der bewahrheite sich
    mehrheitlich,der heisst im Buuredütsch .
    Erst wenn eine Seite Zahlen und Fakten auf den Tisch legt,
    glaube ich an eine oder evtl.auch keiner der Aussagen.
    Alle beteiligten Firmen haben seit Jahrzehnten den Kunden bewusst
    für blöd gehalten. Und das völlig legal-die grosse Masse hat zuviel
    Geld,deshalb war man zu bequem solche ( nicht unbekannte) Machenschaften zu hinter
    fragen.Denke der Zug über die Grenze kann nicht mehr so schnell
    gestoppt werden-unnötig und schade für beide Seiten !

  3. Hannes Estermann

    Der Satz wurde aus irgend einem Grund nicht übermittelt und der
    heisst im Buuredütsch > Seuhäfeli-Seudeckeli. Sonst hat der ganze Artikel kein Sinn. Danke bestens für den Nachtrag ! hpe

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